Teamfähigkeit im Beruf: Welche Kompetenzen starke Teams brauchen

Kaum eine Stellenanzeige kommt ohne sie aus und kaum jemand würde von sich behaupten, sie nicht zu besitzen: Teamfähigkeit gehört zu den meistgenannten sozialen Kompetenzen im Berufsleben. Doch was bedeutet es eigentlich, teamfähig zu sein?

Wer bei Teamfähigkeit lediglich an Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und ein harmonisches Miteinander denkt, greift zu kurz. Gute Teamarbeit zeigt sich vor allem dann, wenn unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen, Fehler passieren, Entscheidungen getroffen werden müssen oder Zeitdruck entsteht. In diesen Situationen kommt es darauf an, ob Menschen Informationen teilen, Verantwortung übernehmen, andere Perspektiven berücksichtigen und gemeinsam nach tragfähigen Lösungen suchen.

Dabei wäre es zu einfach, Teamfähigkeit ausschließlich einzelnen Mitarbeitenden zuzuschreiben. Ob Menschen ihre Fähigkeiten in einem Team einbringen können und wollen, hängt auch von der Führung, den vorhandenen Strukturen, den vereinbarten Spielregeln und der Teamkultur ab. Die Fähigkeit entsteht also im Zusammenspiel aus Mensch und Arbeitsumfeld.

Teamfähigkeit
Teamfähigkeit ist eine wichtige Kompetenz im Beruf

Was ist ein Team? Eine Definition von Team und Teamarbeit

Kommen wir zu Beginn zur Frage, ob denn überhaupt ein Team-Setting vorliegt, für das es Teamfähigkeit bräuchte. Es ist nämlich so, dass nicht jede Gruppe von Menschen, die in derselben Abteilung arbeitet, automatisch ein Team ist. Eine mögliche Definition von Team lautet: Ein Team besteht aus mehreren Personen, deren Aufgaben und Beiträge miteinander verbunden sind und die gemeinsam Verantwortung für ein Ergebnis oder Ziel übernehmen.

Der entscheidende Unterschied zu einer losen Gruppe liegt in der gegenseitigen Abhängigkeit. Wenn fünf Mitarbeitende unabhängig voneinander Kundendaten bearbeiten und ihre Arbeitsergebnisse kaum Auswirkungen aufeinander haben, arbeiten sie zwar in derselben Organisationseinheit, aber nur eingeschränkt als Team.

Anders sieht es bei einem Vertriebsteam aus, das gemeinsam einen neuen Markt erschließen möchte. Marketing generiert Leads, der Vertrieb nimmt Kontakt auf, Produktexpert:innen unterstützen bei Fachfragen und jemand behält Pipeline und Kennzahlen im Auge. Das gemeinsame Ergebnis entsteht erst durch das Zusammenspiel der Beteiligten.

Teamarbeit bedeutet also nicht, alles gemeinsam zu erledigen. Menschen können einen Großteil ihrer Aufgaben selbstständig bearbeiten und dennoch Teil eines Teams sein. Entscheidend ist, an welchen Stellen Zusammenarbeit erforderlich ist und wie gut diese gelingt.

Was ist ein Team_coaching-neuherz.at

Was unterscheidet eine Gruppe von einem Team?

Ein Team verfügt typischerweise über mehrere verbindende Elemente:

  • ein gemeinsames Ziel oder einen gemeinsamen Auftrag
  • voneinander abhängige Aufgaben oder Arbeitsergebnisse
  • abgestimmte Rollen und Verantwortlichkeiten
  • gegenseitiger Austausch von Informationen
  • gemeinsame Entscheidungen oder Vereinbarungen
  • Verantwortung für das Gesamtergebnis

Eine Gruppe kann dieselben Räumlichkeiten, dieselbe Führungskraft oder dieselbe organisatorische Zuordnung haben, ohne diese Merkmale in größerem Ausmaß zu erfüllen.

Der Unterschied ist für die Praxis relevant, denn je stärker Menschen bei ihrer Arbeit voneinander abhängig sind, desto wichtiger werden Teamfähigkeit, Kommunikation und gemeinsames Lernen.

Was bedeutet Teamfähigkeit?

Sie beschreibt die Fähigkeit und Bereitschaft, mit anderen Menschen so zusammenzuarbeiten, dass gemeinsame Ziele erreicht werden können.

Dazu gehört weit mehr, als sympathisch oder umgänglich zu sein. Ein teamfähiger Mitarbeiter kann beispielsweise eine andere Meinung vertreten und trotzdem konstruktiv an einer gemeinsamen Entscheidung mitarbeiten. Eine teamfähige Führungskraft kann Verantwortung abgeben, Kritik annehmen und die Expertise anderer Mitglieder des Führungsteams nutzen. Eine teamfähige Projektleiterin spricht Schwierigkeiten früh an, anstatt Probleme möglichst lange selbst lösen zu wollen.

„Teamfähigkeit zeigt sich für mich darin, wie Menschen mit unterschiedlichen Sichtweisen umgehen oder ob sie gemeinsam Verantwortung für ein Ergebnis übernehmen.“ – Doris Neuherz, Coachin für Führungskräfte- und Teamentwicklung

Die Kompetenz bedeutet auch nicht permanente Zustimmung. Gerade unterschiedliche Sichtweisen können für ein Team wertvoll sein. Im Marketing sieht eine Person vielleicht die Bedürfnisse der Kund:innen, während jemand aus den Finanzen vor hohen Kosten warnt und die IT auf technische Abhängigkeiten aufmerksam macht. Teamfähigkeit zeigt sich dann darin, diese Perspektiven nicht als Störung zu betrachten, sondern daraus eine bessere Entscheidung zu entwickeln.

Wie entsteht Teamfähigkeit_coaching-neuherz.at

Welche Fähigkeiten gehören zur Teamfähigkeit?

Die Kompetenz besteht aus mehreren Verhaltensweisen, die sich im Arbeitsalltag beobachten lassen. Dazu gehört einerseits, sich selbst einzubringen: die eigene fachliche Position vertreten, Ideen entwickeln, Verantwortung übernehmen und relevantes Wissen zur Verfügung stellen. Andererseits braucht gute Zusammenarbeit die Fähigkeit, sich auf andere zu beziehen.

Teamfähige Menschen hören zu und greifen Gedanken anderer auf, entwickeln Vorschläge gemeinsam weiter und machen unterschiedliche Sichtweisen sichtbar. Sie achten darauf, dass nicht immer dieselben Personen die Diskussion bestimmen und ermöglichen, dass auch leisere Teammitglieder ihre Expertise einbringen können.

Dazu gehören unter anderem:

  • konstruktiv Feedback geben und Feedback annehmen
  • anderen aufmerksam zuhören und nachfragen
  • auf Ideen und Vorschlägen anderer aufbauen
  • eigenes Wissen teilen
  • unterschiedliche Perspektiven sichtbar machen und zwischen ihnen vermitteln
  • darauf achten, dass relevante Personen beteiligt werden
  • Konflikte und Spannungen ansprechen und nach Lösungen suchen
  • Unterstützung anbieten und bei Bedarf selbst Unterstützung annehmen
  • Informationen rechtzeitig weitergeben
  • Verantwortung übernehmen und Vereinbarungen einhalten
  • Entscheidungen mittragen
  • in belastenden Situationen auch zur Entlastung anderer beitragen
  • eigene Fehler ansprechen
  • auf gemeinsame Ziele hinarbeiten

Teamfähigkeit zeigt sich damit nicht nur daran, was jemand selbst zum Team beiträgt, sondern auch daran, wie gut jemand die Beiträge anderer wahrnimmt, verbindet und für das gemeinsame Ziel nutzbar macht.

Entscheidend ist dabei das tatsächliche Verhalten. Der Satz „Ich bin sehr teamfähig“ sagt wenig darüber aus, wie jemand reagiert, wenn die eigene Idee nicht gewählt wird, ein Kollege einen Fehler macht oder eine andere Abteilung kurzfristig Unterstützung benötigt. Deshalb lässt sich Teamfähigkeit besser an konkreten Situationen erkennen als an allgemeinen Selbsteinschätzungen.

Netze weben und Nützliches verbinden

Ein oft unterschätzter Teil von Teamfähigkeit besteht darin, nicht nur den eigenen Beitrag zu optimieren, sondern auch die Qualität der gemeinsamen Arbeit zu erhöhen. Wer aufmerksam zuhört, Gedanken anderer weiterentwickelt, relevante Personen einbezieht und vernetzt oder zwischen unterschiedlichen Perspektiven vermittelt, beeinflusst damit die Leistungsfähigkeit des gesamten Teams.

Das lässt sich zum Beispiel in einem Meeting gut beobachten: Manche Personen bringen viele eigene Ideen ein. Andere schaffen zusätzlich Verbindungen zwischen diesen Ideen, fragen nach noch fehlenden Perspektiven oder helfen dabei, einen Konflikt auf die Sachebene zurückzuführen. Beides kann für ein Team wertvoll sein.

Teamfähigkeit im Arbeitsalltag: Beispiele aus verschiedenen Bereichen

Wie unterschiedlich die Kompetenz im Team aussehen kann, zeigt sich beim Blick auf verschiedene Arbeitsbereiche.

Beispiel Vertrieb: Wissen teilen statt Chancen verteidigen

Eine Vertriebsmitarbeiterin erfährt im Kundengespräch, dass ein Unternehmen zusätzlich Interesse an einer Leistung hat, die ein Kollege verantwortet.

Teamfähiges Verhalten besteht darin, diese Information weiterzugeben und den Kollegen einzubeziehen. Weniger hilfreich wäre, das Thema zurückzuhalten, weil die Kundin möglichst vollständig dem eigenen Verantwortungsbereich zugerechnet werden soll.

Guter Teamgeist bedeutet in diesem Fall, neben persönlichen Zielen auch das gemeinsame Vertriebsergebnis im Blick zu behalten.

Beispiel IT: Risiken ansprechen, bevor sie zum Problem werden und Ideen weiterentwickeln

Ein Entwickler erkennt, dass eine geplante Funktion aufgrund einer technischen Abhängigkeit vermutlich nicht zum vorgesehenen Termin fertiggestellt werden kann.

Teamfähigkeit bedeutet hier, die Information frühzeitig ins Team zu bringen. Product Owner, Entwicklung und andere Beteiligte können dann gemeinsam Prioritäten verändern oder eine Alternative entwickeln. Gerade in komplexen Arbeitsumfeldern wird das frühzeitige Teilen von Risiken zu einem wichtigen Teil guter Zusammenarbeit.

Oder: In einem IT-Team schlägt eine Entwicklerin vor, einen Prozess zu automatisieren. Ein Kollege erkennt, dass sich dadurch gleichzeitig eine häufige Fehlerquelle beseitigen ließe und ergänzt die Idee um einen zusätzlichen Prüfschritt. Eine dritte Person bringt Erfahrungen aus einem früheren Projekt ein.

Teamfähigkeit zeigt sich hier darin, Beiträge anderer aufzugreifen und weiterzuentwickeln. Aus mehreren Gedanken kann so eine Lösung entstehen, auf die eine einzelne Person möglicherweise nicht gekommen wäre.

Beispiel HR: Unterschiedliche Interessen integrieren

HR möchte einen neuen Prozess für Mitarbeitergespräche einführen. Einige Führungskräfte empfinden den geplanten Ablauf als zu umfangreich, während HR bestimmte Elemente aus Qualitätsgründen für notwendig hält.

Teamarbeit scheitert, wenn sich eine Seite durchsetzen möchte. Teamfähigkeit zeigt sich jedoch, wenn Interessen sichtbar gemacht, Erfahrungen aus der Praxis einbezogen und gemeinsam geprüft wird, welche Bestandteile tatsächlich benötigt werden.

Beispiel Finanzen: Verantwortung endet nicht bei der eigenen Tabelle

Eine Controllerin bemerkt, dass Zahlen eines Projekts nicht plausibel erscheinen. Sie könnte den Report aufgrund Fehlerhaftigkeit zurückweisen.

Teamfähiger wäre es, das Problem so zu beschreiben, dass die Projektleitung nachvollziehen kann, welche Informationen fehlen oder warum die Daten fehlerhaft zu sein scheinen. Gleichzeitig bleibt die Verantwortung dort, wo sie hingehört. Unterstützend zu sein bedeutet nämlich nicht, anderen ihre Aufgaben abzunehmen.

Beispiel Gesundheit: Informationen können entscheidend sein

Im Gesundheitsbereich sind Teams häufig besonders stark voneinander abhängig. Ärzt:innen, Pflege, Therapie und Administration verfügen jeweils über andere Informationen.

Wenn relevante Beobachtungen nicht weitergegeben werden oder Menschen aus Angst vor negativen Reaktionen schweigen, kann die Qualität der Zusammenarbeit erheblich leiden. Teamfähigkeit bedeutet hier unter anderem, Beobachtungen anzusprechen, Rückfragen zu stellen und die Expertise anderer Berufsgruppen einzubeziehen.

Beispiel Marketing: Relevante Perspektiven einholen

Teamfähigkeit kann auch bedeuten, darauf zu achten, wessen Perspektive für eine Entscheidung noch fehlt. In einem Marketingmeeting diskutieren beispielsweise drei sehr gesprächige Personen bereits intensiv über eine Kampagne. Eine Kollegin, die die aktuellen Kundendaten analysiert hat, hat sich bislang kaum eingebracht.

Ein teamfähiges Teammitglied könnte fragen: „Anna, was zeigen eigentlich die Daten dazu?“ Damit wird Beteiligung nicht zum Selbstzweck. Vielmehr geht es darum, relevante Expertise einzubeziehen und zu verhindern, dass die lautesten Stimmen automatisch den größten Einfluss erhalten.

Ist Teamfähigkeit in jedem Beruf gleich wichtig?

Nein. Auch das gehört zu einer differenzierten Betrachtung des Begriffs. Die Bedeutung von Teamfähigkeit hängt wesentlich davon ab, wie stark eine Tätigkeit von anderen Menschen und deren Arbeitsergebnissen abhängig ist.

Eine Projektmanagerin, eine Führungskraft oder ein Mitglied eines interdisziplinären Produktteams verbringt möglicherweise einen großen Teil des Arbeitstags in Abstimmung mit anderen. Entsprechend hoch ist die Bedeutung ausgeprägter Kooperationskompetenzen.

Bei einem Data Analyst, einer Buchhalterin, einem Sachbearbeiter, einer IT-Security-Spezialistin oder einem Rechtsanwalt können längere Phasen konzentrierter Einzelarbeit einen wesentlich größeren Anteil der Tätigkeit ausmachen. Das bedeutet allerdings nicht, dass Teamfähigkeit in diesen Berufen unwichtig wäre.

Auch eine Buchhalterin benötigt Informationen anderer Abteilungen. Ein Data Analyst muss Ergebnisse verständlich vermitteln. IT Security muss Risiken häufig mit Entwicklung oder Management abstimmen. Rechtsanwält:innen arbeiten mit Mandant:innen, Kolleg:innen und anderen Fachgebieten zusammen.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht unbedingt: „Muss diese Person teamfähig sein?“ Hilfreicher ist die Frage: „Welche Form von Zusammenarbeit verlangt diese konkrete Rolle und wie häufig ist sie erforderlich?

Tabelle: Teamfähigkeit zeigt sich je nach Arbeitssituation unterschiedlich

Die folgende Übersicht verdeutlicht, dass hinter dem abstrakten Begriff sehr konkrete Verhaltensweisen stehen.

ArbeitssituationTeamfähiges VerhaltenWeniger hilfreiches Verhalten
Fehler tritt aufFehler früh ansprechen und an der Lösung mitarbeitenFehler verstecken oder Schuldige suchen
Andere Meinung im MeetingPerspektive begründen und andere Argumente prüfenZustimmung vortäuschen oder Diskussion persönlich führen
Kollege benötigt UnterstützungMöglichkeiten und Grenzen der Unterstützung besprechenAufgabe kommentarlos übernehmen oder grundsätzlich ablehnen
Entscheidung fällt anders aus als gewünschtEntscheidung mittragen oder begründete Bedenken transparent machenEntscheidung später unterlaufen
Relevante Information liegt vorInformation rechtzeitig teilenWissen zurückhalten
Konflikt entstehtBeobachtungen und Erwartungen ansprechenÄrger sammeln oder über Dritte kommunizieren

Die Beispiele zeigen, dass Teamfähigkeit vor allem in kleinen Alltagssituationen sichtbar wird. Nicht das große Teamevent bestimmt über gute Zusammenarbeit, sondern der tägliche Umgang mit Informationen, Verantwortung, Meinungsverschiedenheiten und gegenseitiger Abhängigkeit.

Teamgeist entsteht nicht durch Appelle

  • „Wir müssen wieder mehr an einem Strang ziehen!“
  • „Denken Sie bitte mehr als Team!“
  • „Wir brauchen mehr Teamgeist!“

Solche Aussagen sind in Organisationen schnell formuliert. Doch sie beantworten eine wichtige Frage nicht: Welches Verhalten soll sich konkret verändern?

Wenn Informationen regelmäßig fehlen, Verantwortlichkeiten unklar sind oder Entscheidungen immer wieder neu diskutiert werden, hilft der Wunsch nach mehr Teamgeist nur begrenzt.

Dann lohnt sich eine nähere Betrachtung:

  • Wissen alle Beteiligten, welches gemeinsame Ziel verfolgt wird?
  • Sind Rollen und Verantwortlichkeiten verständlich?
  • Ist bekannt, welche Entscheidungen einzelne Personen treffen dürfen?
  • Werden Spannungen und Fehler angesprochen?
  • Gibt es ausreichend Austausch über wichtige Schnittstellen?
  • Werden Vereinbarungen überprüft?
  • Erleben Mitarbeitende, dass ihre Beiträge relevant sind?

Erst wenn solche Rahmenbedingungen betrachtet werden, lässt sich erkennen, ob tatsächlich individuelle Teamfähigkeit fehlt oder ob Arbeitsstrukturen die Zusammenarbeit erschweren.

Forschung: Teamarbeit motiviert nicht automatisch

Auch wissenschaftliche Untersuchungen sprechen gegen eine allzu einfache Vorstellung von Teamarbeit. Eine Meta-Analyse von Ann-Kathrin Torka, Jens Mazei und Joachim Hüffmeier von der TU Dortmund untersuchte 622 Effektgrößen mit Daten von insgesamt mehr als 320.000 Personen. Das interessante Ergebnis: Teamarbeit führte im Durchschnitt weder automatisch zu höherer noch automatisch zu geringerer Anstrengung.

Entscheidend waren die Bedingungen, unter denen Menschen zusammenarbeiteten. Unter anderem spielte eine Rolle, ob der eigene Beitrag für das Teamergebnis als bedeutsam erlebt wurde und ob individuelle Beiträge sichtbar waren. Je nach Gestaltung konnten Teams sowohl Motivationsgewinne als auch Motivationsverluste erzeugen.

Für Unternehmen steckt darin eine wichtige Botschaft: Menschen einfach in Teams einzuteilen, erzeugt noch keine gute Zusammenarbeit. Aufgaben, Verantwortlichkeiten und gegenseitige Abhängigkeiten sollten so gestaltet sein, dass der eigene Beitrag zum gemeinsamen Ergebnis erkennbar wird. Die Forscher:innen der TU Dortmund fassen ihre Ergebnisse entsprechend zusammen: Ob Teamarbeit motiviert, hängt wesentlich von ihrer konkreten Gestaltung ab.

Welche Rolle spielt psychologische Sicherheit für Teamfähigkeit?

Ein Team benötigt ein Umfeld, in dem förderliche Verhaltensweisen unterstützt werden.

Ein Mitarbeiter kann fachlich hervorragend und grundsätzlich kooperationsbereit sein. Wenn er jedoch gelernt hat, dass kritische Fragen unerwünscht sind, Fehler negative Konsequenzen haben oder abweichende Meinungen persönlich genommen werden, wird er sich möglicherweise zurückhalten.

Für Teamarbeit ist daher psychologische Sicherheit bedeutsam. Sie beschreibt ein Arbeitsklima, in dem Menschen zwischenmenschliche Risiken eingehen können, etwa eine Frage stellen, einen Fehler eingestehen, Bedenken äußern oder eine andere Meinung vertreten.

Das bedeutet nicht, dass jede Aussage willkommen geheißen oder jede Leistung akzeptiert werden muss. Psychologische Sicherheit und hohe Erwartungen an Leistung können nebeneinander bestehen. Gerade die Kombination kann für Teams besonders wertvoll sein: Menschen dürfen Probleme ansprechen und übernehmen gleichzeitig Verantwortung dafür, an Lösungen mitzuwirken.

Teamfähigkeit ist auch eine Führungsaufgabe

Wenn Führungskräfte mangelnde Teamfähigkeit beobachten, lohnt es sich deshalb, nicht ausschließlich auf einzelne Mitarbeitende zu schauen.

Führung beeinflusst beispielsweise, ob:

  • gemeinsame Ziele verständlich sind
  • Verantwortlichkeiten nachvollziehbar verteilt sind
  • Feedback erwünscht ist
  • Fehler besprechbar werden
  • Mitarbeitende Entscheidungen treffen dürfen
  • Konflikte bearbeitet werden
  • Wissen geteilt wird

Führungskräfte prägen damit einen wesentlichen Teil der Umgebung, in der Teamfähigkeit stattfinden kann.

Gleichzeitig wird ein Aspekt häufig übersehen: Führungskräfte sind meist selbst Mitglieder eines Teams. Geschäftsführungen, Bereichsleitungen oder Abteilungsleitungen bilden Führungsteams. Dort gelten dieselben Anforderungen an Zusammenarbeit.

Wenn Bereichsleiter:innen im eigenen Führungsteam Informationen zurückhalten, Entscheidungen nachträglich infrage stellen oder hauptsächlich die Interessen ihres eigenen Bereichs vertreten, wirkt sich dies häufig auch auf die darunterliegenden Teams aus.

Teamfähigkeit endet daher nicht mit der Übernahme einer Führungsposition. In vielen Organisationen gewinnt sie dort sogar zusätzlich an Bedeutung.

Woran erkennt man ein teamfähiges Team?

Ein teamfähiges Team erkennt man weniger daran, wie reflektiert und lösungsorientiert das Team mit schwierigen Situationen umgeht.

Hinweise auf gute Teamfähigkeit können sein:

  • Probleme werden früh angesprochen
  • Menschen fragen nach Unterstützung, bevor eine Situation eskaliert
  • Informationen erreichen die Personen, die sie benötigen
  • Unterschiedliche Meinungen dürfen ausgesprochen werden
  • Entscheidungen werden nach der Diskussion mitgetragen
  • Zuständigkeiten werden nicht bei jeder Schwierigkeit weitergeschoben
  • Feedback findet auch außerhalb formeller Mitarbeitergespräche statt
  • Teammitglieder interessieren sich für das gemeinsame Ergebnis

Die gemeinsame Klammer dahinter ist Verantwortung für die Zusammenarbeit. Jede Person trägt dazu bei, gleichzeitig braucht es Bedingungen, die dieses Verhalten unterstützen.

Warnsignale für fehlende Teamfähigkeit

Auch Schwierigkeiten zeigen sich häufig in alltäglichen Mustern. Ein erstes Warnsignal kann sein, wenn Sätze wie „Dafür bin ich nicht zuständig“ häufig fallen. Das bedeutet nicht, dass Zuständigkeiten unwichtig wären. Problematisch wird es, wenn Menschen bekannte Probleme bewusst ignorieren, weil sie formal außerhalb des eigenen Aufgabenbereichs liegen.

Weitere Hinweise sind zurückgehaltene Informationen, häufige Gespräche übereinander statt miteinander, wiederholte Schuldzuweisungen, ungelöste Konflikte oder Entscheidungen, die im Meeting scheinbar akzeptiert und anschließend nicht umgesetzt werden.

Auch übertriebene Hilfsbereitschaft kann übrigens problematisch werden. Wenn einzelne Teammitglieder ständig Aufgaben anderer übernehmen, können langfristig Überlastung und unklare Verantwortlichkeiten die Folge sein.

Teamfähigkeit braucht deshalb sowohl Kooperationsbereitschaft als auch ein gesundes Verständnis für Verantwortung und Grenzen.

Teamfähigkeit im Bewerbungsgespräch: Was steckt hinter der häufig genannten Stärke?

„Ich bin teamfähig“ gehört vermutlich zu den bekanntesten Aussagen in Bewerbungsgesprächen. Für Arbeitgeber ist die Aussage allein allerdings nur begrenzt aussagekräftig. Interessanter werden konkrete Situationen. Beispielsweise könnte gefragt werden:

„Erzählen Sie von einer Situation, in der Sie innerhalb eines Teams eine andere Meinung als Ihre Kolleg:innen vertreten haben. Wie sind Sie damit umgegangen?“

oder:

„Wann haben Sie zuletzt Unterstützung aus Ihrem Team benötigt und wie haben Sie diese eingefordert?“

Auch die Frage nach einem Konflikt oder einer Entscheidung, die anders ausgefallen ist als gewünscht, kann interessante Einblicke im Recruiting liefern.

Für Bewerber:innen lohnt sich deshalb ebenfalls eine konkrete Vorbereitung. Statt Teamfähigkeit lediglich als Stärke aufzuzählen, sind Beispiele hilfreich, die zeigen, wie gute Zusammenarbeit mitgestaltet wurde. Dabei sollte auch das jeweilige Jobprofil berücksichtigt werden. Eine Stelle mit intensiver Projektarbeit benötigt andere Kooperationskompetenzen als eine Position mit einem sehr hohen Anteil eigenständiger Facharbeit.

Kann man Teamfähigkeit lernen?

Ja, denn Teamfähigkeit ist keine unveränderbare Persönlichkeitseigenschaft. Bestimmte persönliche Merkmale können zwar die Zusammenarbeit erleichtern oder erschweren. Viele relevante Verhaltensweisen lassen sich jedoch reflektieren, üben und weiterentwickeln. Menschen können lernen, konkreteres Feedback zu geben. Sie können üben, Konflikte früher anzusprechen, Fragen zu stellen, Verantwortung zu delegieren oder ihre eigene Wirkung auf andere besser einzuschätzen.

Noch interessanter wird die Entwicklung, wenn einzelne Personen trainiert werden und auch das Team gleichzeitig seine Zusammenarbeit betrachtet. Denn wenn ein Team beispielsweise Probleme mit der Verantwortungsübernahme hat, können dahinter sehr unterschiedliche Ursachen liegen: Mitarbeitende trauen sich Entscheidungen nicht zu, Entscheidungsräume wurden nie besprochen, Führung greift häufig ein oder die gegenseitigen Erwartungen unterscheiden sich. Der pauschale Wunsch nach „mehr Eigenverantwortung und Teamfähigkeit“ würde diese Unterschiede übersehen.

Teamfähigkeit entwickeln: Teamarbeit gemeinsam reflektieren

Teamentwicklung kann dort ansetzen, wo die Zusammenarbeit stattfindet. Teams können beispielsweise gemeinsam untersuchen:

  • Was ist unser gemeinsames Ziel?
  • Wo sind wir voneinander abhängig?
  • Was erwarten wir voneinander?
  • Wer trägt wofür Verantwortung?
  • Welche Informationen benötigen wir voneinander?
  • Wie wollen wir mit Fehlern umgehen?
  • Wie sprechen wir Spannungen an?
  • Welche Entscheidungen trifft das Team und welche einzelne Personen?

Solche Fragen machen die Zusammenarbeit besprechbar. Aus einem abstrakten Wunsch nach mehr Teamgeist werden konkrete Vereinbarungen für den Arbeitsalltag.

Gerade bei Veränderungen, neuen Teamkonstellationen oder wiederkehrenden Konflikten kann eine moderierte Teamentwicklung oder ein Teamworkshop dabei unterstützen, eingeschliffene Muster sichtbar zu machen und neue Formen der Zusammenarbeit auszuprobieren.

FAQ: Häufige Fragen zur Teamfähigkeit

Was ist der Unterschied zwischen Teamfähigkeit und Teamgeist?

Teamfähigkeit beschreibt stärker die Kompetenzen und Verhaltensweisen, die Menschen für gute Zusammenarbeit benötigen. Teamgeist bezeichnet eher das Gefühl der Verbundenheit und Zugehörigkeit innerhalb eines Teams. Beide beeinflussen sich gegenseitig. Ein ausgeprägter Teamgeist allein garantiert jedoch noch keine gute Zusammenarbeit. Auch ein Team mit starkem Zusammengehörigkeitsgefühl benötigt Rollen, Verantwortlichkeiten, Feedback und konstruktiven Umgang mit unterschiedlichen Meinungen.

Kann jemand fachlich hervorragend, aber nicht teamfähig sein?

Ja. Fachkompetenz und Teamfähigkeit sind unterschiedliche Kompetenzbereiche. Eine Person kann ausgezeichnete Analysen erstellen und gleichzeitig Schwierigkeiten haben, Informationen weiterzugeben oder andere Perspektiven einzubeziehen. Wie problematisch das ist, hängt wiederum vom Jobprofil ab. Je stärker Ergebnisse voneinander abhängig sind, desto stärker wirken sich Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit aus.

Bedeutet Teamfähigkeit, die eigenen Interessen zurückzustellen?

Gelegentlich kann das notwendig sein, etwa wenn eine gemeinsam getroffene Entscheidung nicht der persönlich bevorzugten Lösung entspricht. Teamfähigkeit bedeutet jedoch nicht, eigene Bedürfnisse, Expertise oder Bedenken dauerhaft zu unterdrücken. Gerade ein wertvoller Beitrag zum Team kann darin bestehen, eine unbequeme Perspektive einzubringen, wenn sie für das gemeinsame Ergebnis wichtig ist.

Wie lässt sich Teamfähigkeit im Unternehmen fördern?

Am meisten verspricht eine Kombination verschiedener Ansätze: individuelle Kompetenzen entwickeln, Erwartungen an Zusammenarbeit besprechen, Verantwortlichkeiten gestalten, Feedback ermöglichen und die Teamkultur regelmäßig reflektieren. Auch Führung spielt eine wesentliche Rolle. Wer lediglich ein Training zu Kommunikation anbietet, während Verantwortlichkeiten ungeklärt bleiben oder kritische Rückmeldungen unerwünscht sind, bearbeitet nur einen Teil des Systems.

Fazit: Teamfähigkeit entsteht zwischen Menschen

Teamfähigkeit schließt Hilfsbereitschaft mit ein und noch mehr, wie Menschen Informationen teilen, Verantwortung übernehmen, mit Unterschieden umgehen, Entscheidungen mittragen und gemeinsam auf ein Ergebnis hinarbeiten.

Wie wichtig diese Kompetenz ist, hängt vom jeweiligen Job und vom Grad der gegenseitigen Abhängigkeit ab. Gleichzeitig entsteht gute Teamarbeit nie ausschließlich durch die Eigenschaften einzelner Personen. Führung, Rollen, Entscheidungsräume, gemeinsame Ziele und Teamkultur beeinflussen maßgeblich, welches Verhalten im Alltag möglich und erwünscht ist.

Wer Teamfähigkeit entwickeln möchte, sollte deshalb nicht nur fragen: „Sind unsere Mitarbeitenden teamfähig?“ Die interessantere Frage lautet: „Wie haben wir unsere Zusammenarbeit gestaltet und welches Verhalten brauchen wir, damit wir als Team unsere Ziele erreichen können?“ Nachhaltige Teamentwicklung ist die positive Folge der Bearbeitung dieser Frage.

Passende Artikel: